Pfosten-Riegel-Fassaden sind oft die erste Wahl für gewerbliche Bauten, Bürogebäude und öffentliche Gebäude, aber auch für ambitionierte Wohnprojekte. Wir erklären Aufbau, Vor-/Nachteile, Kosten und zeigen, wann eine andere Lösung die bessere Wahl ist.
Was ist eine Pfosten-Riegel-Fassade?
Die Pfosten-Riegel-Konstruktion ist eine Fassadenmethode, bei der senkrechte Pfosten den Lastabtrag übernehmen und horizontale Riegel daran angeschlossen werden. Die dafür benötigten modularen Elemente können im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle montiert werden.
Diese Bauweise gehört zu den Vorhangfassaden nach DIN EN 13830, was bedeutet, dass sie keine Gebäudelasten, sondern nur Eigengewicht und Windlasten trägt.
Als Materialien werden für die Profile Aluminium, Stahl oder Holz oder eine Holz-Aluminium-Kombination genutzt. Die Profilbreiten betragen typischerweise zwischen 35 – 60 mm, wodurch die Fassade besonders filigran wirkt.
Aufbau der Pfosten-Riegel Fassade
Als klassische Bauweise wird eine Pfosten-Riegel-Fassade meist nach einem gängigen Muster installiert.
Dabei werden die folgenden Punkte berücksichtigt:
- Pfosten werden über Konsolen an Geschossdecken oder den Rohbau verankert.
- Riegel werden per Schraub-, Steck- oder Schweißverbindung angebracht.
- Zwischen Pfosten und Riegeln werden Glasflächen, Paneele oder Öffnungselemente installiert.
- Pressleisten halten die Füllelemente, während Dichtlippen Wassereindringen vermeiden.
- Zusätzlich werden Dichtungen aus EPDM zwischen Tragwerk und Ausfachung installiert.
- Für eine kontrollierte Kondensatabführung wird die Glasfalz belüftet und druckentspannt.
Neben Glas und Paneelen können auch Fenster- oder Türelemente sowie Überkopfverglasungen eingespannt werden.
Vorteile der Pfosten-Riegel-Fassade
Nicht ohne Grund zählen Pfosten-Riegel-Fassaden zu den beliebtesten Bauweisen im Gebäudebau. Viele Vorteile sprechen für diese Variante:
- Gestaltungsfreiheit
Egal ob polygone, schräge oder senkrechte Fassaden – dank individueller Raster können Pfosten-Riegel-Fassaden alle Bauweisen abbilden.
- Große Glasflächen
Die verbauten Glasflächen ermöglichen viel Tageslicht und eine offene Raumwirkung, sogar geschossübergreifend.
- Modularität
Variable Abmessungen und verschiedene Materialien erlauben die Anpassung auf nahezu jede Einbausituation.
- Integrierbarkeit
Ob Lüftungsflügel, Sonnenschutz, PV-Module oder motorische Steuerungen: Pfosten-Riegel-Fassaden ermöglichen die Integration der unterschiedlichsten Erweiterungen.
Allerdings sollten sich Interessierte auch über die Herausforderungen der Bauweise bewusst sein. Wir zeigen die wichtigsten Nachteile.
Nachteile der Pfosten-Riegel-Fassade
Ein Überblick über die wichtigsten Herausforderungen zeigt die Schwächen der Fassaden-Bauweise:
- Kosten
Mit rund 30% höheren Kosten im Vergleich zu konventionellen Lochfassaden sind die Initialkosten sehr hoch.
- Aufwändigere Reinigung
Bei hohem Glasanteil sind die gestiegenen Reinigungskosten und -zeiten zu berücksichtigen.
Was kostet eine Pfosten-Riegel-Fassade?
Je nach Material, Qualität, Größe und Anforderungen können die Preise einer Pfosten-Riegel-Fassade enorm unterschiedlich ausfallen. Ihr könnt im Schnitt mit Kosten zwischen 500 und 700 Euro pro Quadratmeter rechnen. Bei hochwertigen Materialien und komplexen Designs können die Kosten auch über 1.000 Euro pro Quadratmeter steigen.
Wichtige Vergleichswerte:
- Putzfassaden kosten circa 130€/m²
- Klinkerfassaden kosten circa 250-400 €/m²
- Vorgehängte hinterlüftete Fassaden kosten circa 230-500€/m²
Große Kostentreiber sind bei dieser Bauweise die Verglasungsart, die Materialwahl, die Gebäudegeometrie und die potenzielle technische Integration.
Eine individuelle Beratung über einen Fachbetrieb wird für die Wahl der richtigen Bauweise empfohlen.
Energieeffizienz und Nachhaltigkeit der Pfosten-Riegel-Fassade
In Sachen Energieeffizienz überzeugt die Pfosten-Riegel-Fassaden durch diverse Merkmale: Die thermisch getrennten Profile minimeren Wärmebrücken. So sind je nach Konstruktion Uf-Werte von 0,6 bis 1,7 W/m²K realisierbar.
Zusätzlich kann die Holz-Aluminium-Kombination durch nachwachsendes Holz und recycelbares Aluminium überzeugen. Mit Erweiterungen wie einer PV-Integration oder außenliegenden Sonnenschutzsystemen setzen Pfosten-Riegel-Fassaden der Nachhaltigkeit die Krone auf. Sogar so überzeugend, dass in vielen Fällen eine Passivhaus-Zertifizierung möglich wird. Dennoch eignet sich für einige Gebäude eine sinnvolle Alternative.
Unsere Empfehlung: Wann die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) die bessere Wahl ist
Vorab ein wichtiger Hinweis zur Einordnung: Pfosten-Riegel-Fassade und VHF sind streng genommen keine direkten Alternativen, sondern beschreiben unterschiedliche Dinge. Die Pfosten-Riegel-Konstruktion ist ein Tragsystem für die Verglasung, die VHF beschreibt einen Wandaufbau mit Hinterlüftungsebene.
In der Praxis werden beide Systeme deshalb häufig kombiniert: Verglaste Bereiche wie Eingangszonen oder Bürogeschosse setzen auf Pfosten-Riegel, während die massiven, geschlossenen Fassadenflächen als VHF ausgeführt werden. Die folgende Gegenüberstellung bezieht sich daher konkret auf diesen zweiten Fall – wenn ihr für eure geschlossenen Fassadenflächen zwischen einer transparenten Pfosten-Riegel-Lösung mit Paneelen und einer klassischen VHF-Bekleidung entscheiden müsst.
Dennoch sollte die Entscheidung für die passende Bauweise immer projektabhängig getroffen werden und für viele Anwendungsfälle sehen wir die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) klar im Vorteil.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Hinterlüftungsebene: Anders als die einschalige Pfosten-Riegel-Fassade trennt die VHF Dämmung und Witterungsschutz konsequent voneinander. Das bedeutet zuverlässiges Feuchtigkeitsmanagement, besseren sommerlichen Wärmeschutz und laut einer Studie von Rauta bis zu 20 % geringere Heiz- und Klimatisierungskosten im Vergleich zu anderen Konstruktionen.
Hinzu kommt die enorme Materialvielfalt – von Holz über Naturstein bis hin zu PV-Elementen oder Fassadenbegrünung. Und auch am Ende des Lebenszyklus punktet die VHF: Durch die Trennung der Schichten lässt sie sich sortenrein recyceln.
Besonders bei energetischen Sanierungen von Bestandsgebäuden ist die VHF die bewährte Wahl – nachträglich montierbar und häufig mit staatlichen Fördermitteln unterstützt. Mit Kosten zwischen 250 und 400 €/m² liegt sie zudem deutlich unter den 500 bis 700 €/m² der Pfosten-Riegel-Fassade, bei gleichzeitig geringerem Wartungsaufwand.
Die Pfosten-Riegel-Fassade bleibt die richtige Entscheidung, wenn maximale Transparenz, geschossübergreifende Verglasung oder ein repräsentativer Eingangsbereich gefragt sind. Für alle anderen Projekte – ob Wärmeschutz, Langlebigkeit oder Nachhaltigkeit im Fokus steht – lohnt sich ein genauerer Blick auf die VHF.
Welches System passt zu eurem Projekt? Wir beraten euch gerne
Vorab ein wichtiger Hinweis zur Einordnung: Pfosten-Riegel-Fassade und VHF sind streng genommen keine direkten Alternativen, sondern beschreiben unterschiedliche Dinge. Die Pfosten-Riegel-Konstruktion ist ein Tragsystem für die Verglasung, die VHF beschreibt einen Wandaufbau mit Hinterlüftungsebene. In der Praxis werden beide Systeme deshalb häufig kombiniert: Verglaste Bereiche wie Eingangszonen oder Bürogeschosse setzen auf Pfosten-Riegel, während die massiven, geschlossenen Fassadenflächen als VHF ausgeführt werden. Die folgende Gegenüberstellung bezieht sich daher konkret auf diesen zweiten Fall – wenn ihr für eure geschlossenen Fassadenflächen zwischen einer transparenten Pfosten-Riegel-Lösung mit Paneelen und einer klassischen VHF-Bekleidung entscheiden müsst.
Die Pfosten-Riegel-Fassade ist ein leistungsstarkes System. Überall dort, wo maximale Transparenz und großflächige Verglasung architektonisch gefragt sind, spielt sie ihre Stärken voll aus. Gleichzeitig gilt: Sie ist nicht für jedes Gebäude die optimale Lösung. Wer Wärmeschutz, Langlebigkeit und Wirtschaftlichkeit in den Vordergrund stellt, wird in vielen Fällen mit der vorgehängten hinterlüfteten Fassade besser fahren.
Ihr plant ein Fassadenprojekt? Meldet euch bei unserem Team. Wir finden gemeinsam die beste Lösung für euer Gebäude.
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